Gefühle im Spiel – Bindung

Eine sichere Bindung ist für unsere Kinder wie ein solide gegossenes Fundament für eine gute Persönlichkeitsentwicklung. Aber was heißt eigentlich „Bindung“ und was hat das mit Spiel zu tun?

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In den ersten zwei Monaten nach der Geburt versucht das Neugeborene durch angeborene Verhaltensweisen wie Anschauen, Anschmusen, Festhalten, Schreien oder Festsaugen ganz reflexartig Kontakt zu seinen Eltern/Bezugspersonen aufzubauen. Eigentlich ist der Körper des kleinen Menschleins noch ganz damit beschäftigt, sich auf das Leben außerhalb der Gebärmutter einzustellen, aber ganz instinktiv sucht es nach Gesichtern, lauscht Stimmen und reagiert immer deutlicher auf Zuwendung. Wir Erwachsenen reagieren hier ganz intuitiv richtig und helfen durch viel Körperkontakt, eine höhere Stimmlage und der sing-sang-ähnlichen Ammensprache.

Hilfreich ist tatsächlich die berühmte Spieluhr, die man schon in der Schwangerschaft das ungeborene Kind hören läßt – Geräusche, die es voller Vertrauen auch nach der Geburt wieder wahrnehmen kann. Ansonsten bedarf es außer z.B. eines schönen Mobiles zum Betrachten noch nicht viel Spielzeug, denn die größten und besten Kuschel“tieren“ der Welt sind Mama, Papa, Oma, Opa oder andere liebe Menschen.

Mit ca. zwei – sechs bis acht Monaten fängt das Kind nun an Personen zu unterscheiden und zu bemerken, dass es selbst etwas bewirken kann.  Gegen Ende dieser Phase fängt oft das sogenannte Fremdeln an und ist ein Zeichen, dass das Kind zwischen „bekannten“ und  „unbekannten“ Personen unterscheiden kann. Nun fangen unsere Kinder langsam an, ein „ICH“-Bewußtsein zu entwickeln.Im kindlichen Gehirn ist viel los. Die Nervenzellen verbinden sich rasant und insbesondere im Hör- und Sehzentrum wird das neuronale „Straßennetz“ der Zukunft für die Sprachlaute und visuellen Signale gebaut.

Nun fängt die Spielphase langsam an – mit Spielzeug und ohne Zeugs, einfach mit sich selbst. Die Welt ist spannend und „ICH“ kann sie noch spannender machen: Rasseln ertönen, die Wippe zum Schwingen bringen, die Socken wegstrampeln oder an der eigenen Stimme Spaß haben – in kaum einer Zeit sieht man deutlicher, wie sehr Spiel, Spaß, Neues entdecken und Lernen zusammenhängen.

–> Hier beginnt nun ganz deutlich das intensive spielerische Miteinander mit uns Eltern, das nicht nur den Kindern Freude macht, sondern auch unsere Herzen überquillen läßt! In diesen wunderbaren Momenten knüpfen sich die Bindungsbande zwischen uns und unseren Kindern zu einem festen Tau, das uns ein Leben lang verbinden wird.

 

Das Spiel schenke uns Freude und Erholung miteinander.

Thomas von Aquin

 

Mit ca. sechs-acht Monaten beginnt eine neue Bindungsphase, die bis zur Entwicklung zum Kleinkind von ca. 18-24 Monaten andauert: Das Kind unterscheidet immer deutlicher zwischen Menschen, die es kennt und Fremden. Das ist auch gut, denn es wird mobiler und sein Aktionsradius ändert sich rasant – da ist es immer hilfreich, wenn man weiß, zu wem man gehört! 😉

Gleichzeitig entwickelt sich langsam die Sprache durch erste Laute, Silben und irgendwann sogar Worte. So tritt das Kind in Kontakt zu seiner Umwelt und erfährt sich dabei immer mehr als eigenes und eigenständiges Wesen.  In den letzten Monaten dieser Phase beginnt die sogenannte Selbsterkenntnis für das Kind immer klarer zu werden; die Kinder erkennen sich z.B. im Spiegel wieder und entdecken die Bedeutung von „ich, mir, meins“.

Es ist eine Zeit voller Widersprüche, denn einerseits wollen die kleinen Weltentdecker auf Touren gehen und vieles „lein“ machen, aber andererseits gibt es laustarke Proteste, wenn die Bezugsperson nicht mehr in Sichtweite ist oder man die im Wohnzimmer verteilte Blumenerde wegsaugt. Und was gestern noch geklappt hat, kann morgen plötzlich ganz anders sein, stellt man überrascht fest, wenn der Nachwuchs auf dem Küchentisch sitzt und die Obstschale ausräumt…

Nun gibt es noch viel mehr mit spielerischer Lust zu entdecken und vieles, was man bei den Großen sieht, möchte man nachmachen. Die neugierigen Händchen zeigen auf alle möglichen Dinge und unsere Kinder möchten sie mit Herz, Hand und Hirn begreifen. Hier ist die Beziehung zu den Bezugspersonen ganz wichtig, um vertrauensvoll und mit Freude die Welt zu entdecken. Im aktiven Miteinander ist nun das Spiel und auch geliebtes Spielzeug ein fester Bestandteil der Beziehungen des Kindes und es findet die sogenannte „frühe Bildung“ statt.

In den folgenden Jahren mit der wachsenden Reife erweitern sich die individuellen Kompetenzen, Fähigkeiten und Vorlieben unserer Kinder. Sie werden immer eigenständiger, suchen das Spiel mit Gleichaltrigen und erweitern mit Eintritt in die Tagespflege, Kita und Schule ihr soziales Umfeld und orientieren sich zunehmends an immer mehr Personen. Bis man dann irgendwann im Teenageralter froh ist, wenn man im Gespräch bleibt! 😀

img_3690-300x225Ein Trost: Eines bleibt immer konstant, der Wunsch nach altersgemäßer Zuwendung der Beziehungspersonen!

–> So ist und bleibt das Spiel in den Familien (und Einrichtungen) eine wertvolle soziale Komponente, egal ob es das Rollenspiel am Kaufladen, die Gesellschaftspiele am Küchentisch oder das Drachensteigen auf dem Herbstfeld ist!

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Frau Spielzeug meint:

Gar nicht viel… geht spielen mit Euren Lieben! 😀

(Anmerk. der Teenagermutter: Es lohnt sich!)

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