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Flüchtlingsbedenken und Dialog: Warum ich gerne im Austausch bleibe

Ihr Lieben,
nun wird „Flüchtlinge“ auch bei Frau Spielzeug zum Thema, obwohl es ja doch recht wenig mit „Spiel(zeug)“ zu tun hat: Ich habe eine Mail bekommen, warum ich bei Facebook nicht die Leute verbanne, die sich dazu kritisch äußern.
„Hi Nadine, warum schmeisst Du diese Leute nicht von Deiner Timeline. Ich kann diese Leute einfach nicht verstehen, die sogar Deine Seite als Plattform nutzen, um ihr dummes Zeugs zu plappern. Und noch weniger verstehe ich, warum Du Ihnen auch noch antwortest…“
Meine Antwort mache ich für Euch öffentlich, weil ich eines klarstellen möchte. Aber lest selbst:
Liebe_r XYZ,
es ist für mich eigentlich ganz einfach: Ich kann mit anderen Meinungen leben und solange diese nicht extrem sind, kann ich sie sogar gut tolerieren. Das ist ja schließlich auch das, was ich optimalerweise von anderen erwarte.
Und wenn ich Zeit habe, dann nehme ich sogar Stellung auf ihren eigenen Seiten und gebe fundierte Infos, denn ich bin nicht nur eine Freundin einer guter Analyse, sondern ich schätze auch den Dialog.
 
Es ist von mir keiner von der FB-Freundesliste geworfen worden, auch wenn er oder sie sich irgendwo tatsächlich vielleicht sogar etwas einfach strukturiert negativ zu Kopftüchern, vollen Turnhallen und dunklen Gestalten in der Nachbarschaft geäußert hat. Bei über 2000 FB-Freunden kommt das sogar öfters vor.

Einzig der grenzüberschreitende Verfasser eines Gaskammerbeitrages ist von mir konsequent an die Polizeihotline gemeldet worden und dann nach einer Ansage von mir geflogen, weil es mich anekelte und Energie raubte.  Sorry, da fühle ich mich nicht mehr angesprochen, dafür gibt es Profis.
Mit allem anderen kann ich leben, genauso wie ich schon seit vielen Jahren damit lIMG_5405ebe, dass es in meiner Stadt sechs Moscheen mit neun verschiedenden islamischen Ausrichtungen gibt, es Menschen gibt, die Hühnerfleisch für 2€ das Kilo essen und Eltern, die ihre Kinder mit zwei Jahren täglich vor den Fernseher setzen. Das Leben ist bunt.
 
In Sachen gutes Spiel(zeug) habe ich es schon seit vielen Jahren mit sehr unterschiedlichen Erziehungseinstellungen und familiären Hintergründen zu tun. Es hat nicht immer was mit Bildungsinteresse zu tun, aber oft. Aber ich bin immer da und versuche zu unterstützen und in eine gesunde lebensbejahende Richtung zu lenken, denn letztendlich gibt es da ja ein gemeinsames Interesse: Kinder zu stärken, ihnen das Beste zu ermöglichen und Eltern dafür kompetent zu machen. Und dafür brauchen wir den Austausch. Nur im Austausch kommen wir weiter und entwickeln uns.
 
In Sachen Meinungsvielfalt „Flüchtlinge“ ist das genauso. Deutschland ist bunt. Schon ohne ethnische und reliöse Faktoren sind wir ein solch farbenreicher Flickenteppich voller individueller und regionaler Meinungen und Hintergründe. Und während sich mein breites Umfeld im Ruhrpott nicht vorstellen kann, wie in Sachsen ein solch mitlaufender Rattentanz um Pegida entstehen kann, kenne ich erfolgreich im Leben stehende Akademiker aus Dresden, die mir wirklich irritiert beichten, dass ihnen der Gedanke an muslimische Nachbarn Angst macht.
 
Für mich ist auch das interkulturelle Kompetenz – Menschen verstehen zu wollen, deren Denken ich schräg finde, und ihnen mit Respekt zu begegnen. Und mit ihnen im Gespräch zu bleiben.
 
Damit sind nicht die gemeint, die sich selbst die Weste „Zum Abschuß freigegeben“ überstreifen, den Hetzern und Agitatoren, den Extremen, die Grenz- und Werteüberschreiter. Sie haben ihr Recht auf Respekt und Dialog verwirkt, weil sie es selbst nicht achten. Da bin ich dann doch echt fies. Ich finde, da darf man dann auch ganz entspannt über eine verkehrt aufgehängte Deutschlandfahne und das Unvermögen über die Heimatsprache lachen.
 
Ich meine in diesem Beitrag die, die sich mit den Einwanderungsbewegungen schwer tun und trotzdem eine Tasche voll mit Kinderkleidern zur Notunterkunft bringen. Die Menschen, denen die Bilder von Massen, die flüchten, Angst machen und die trotzdem fühlen, dass man nicht unter Bomben leben möchte. Die, die es nicht wollen, dass in der Klasse des eigenen Kindes noch sieben weitere Nationalitäten vertreten sind, aber vielleicht ein kunterbuntes Fussballteam ehrenamtlich trainieren. Die, die ein komisches Gefühl haben, wenn neben ihnen ganz schnell 400 Asylsuchende einziehen sollen, aber nichts gegen 40 hätten. Die, die auf Merkel und Co schimpfen, aber im Grunde auch wissen, dass wir Verantwortung tragen müssen. Die, die über kopftuchtragende Frauen schimpfen und dabei den Kindern dieser Frauen sofort ein Pflaster geben würden, wenn sie es bräuchten. Ich meine die, die nicht vergessen haben, was unsere demokratischen, unsere deutschen Werte sind und weshalb wir uns Menschen nennen dürfen, aber die trotzdem Bedenken oder Sorgen haben.
 
Tatsächlich bin ich aber ob meiner Unverschämtheit mich höflich und sachlich mit anderer Meinung zu zeigen, offensichtlich schon von dem einen oder anderen Pegida/AfD-Sympatisanten ge-facebook-kickt worden und bei zweien habe ich auf der Timeline zu den Themen Schreibverbot. Tja, nicht jeder mag einen Austausch, wenn dabei eine Perspektivenerweiterung droht. Für manche ist das schon Bedrohung genug: „Ich will das nicht wissen. Ich will nicht darüber reden. Ich will in meinem Erklärungsmodell bleiben. GEH WEG!“
Aber die meisten haben gar nichts dagegen und diskutieren mit mir ganz prima weiter. Und bei den anderen kann ich nur sagen: Ich geh nicht weg.
Meine Freunde wissen, ich bin hartnäckig. Nett, höflich, wenig aufgeregt, neugierig, ähem… interessiert, aber immer konsequent im Denken. Und deshalb geh ich auch nicht weg, wenn eine Meinung anders ist. Ich bin da und bin auch lästig. Aber ich bin immer bereit für den Austausch, wenn es die Zeit zulässt.
 
Daher schubse ich auch keinen weg, der eine andere Meinung hat. Und so fliegt hier auch niemand von meiner Facebookliste, der sich auch kritisch zur Flüchtlingspolitik äußert. Selbst wenn es manchmal einfach wirklich kurz gedacht ist. Aber was soll’s, ich bin auch nicht in allen Fällen die Vielschichtigste. Wichtig ist, dass wir etwas nicht verlieren – den Austausch.
 
Nur so bleiben wir das, was wir sind sind: Menschen aus einem demokratischen Land voller Kultur und Werte. Dialog gehört für mich dazu.
 
Und deshalb wird es bei Frau Spielzeug auch durchaus weiter ein buntes Bild verschiedener Standpunkte und Ansichten geben. Ob es zum Thema Familienbett, Fernsehen, Schule, Stillen oder eben Politik ist. Solange sie beim ursprünglichen Thema und in unserem Wertekontext bleiben, gibt es bei mir Meinungsvielfalt, selbst wenn es manchmal platt sollte.
Es grüßt, wahrscheinlich sowieso schon längst in den Nesseln, das aber durchaus gewohnt,
Eure Frau Spielzeug :-)

3 Gedanken zu „Flüchtlingsbedenken und Dialog: Warum ich gerne im Austausch bleibe“

  1. Es wird eine nicht enden wollende Debatte bleiben. Vor allem deshalb, weil man versucht, die Kritiker mundtot zu machen und entsprechende Infos zurückhält bzw die meinungsbildenden Informationen zu pushen versucht. Dies verstimmt die Kritiker also noch mehr und hat meiner Meinung nach nichts mit den Werten zu tun die wir in Deutschland erkämpft haben. Die Kultur in jeglicher Hinsicht sollte bewahrt bleiben. Ist nur meine bescheidene Meinung dazu!

  2. Liebe Silvie,

    ja, genau das ist Demokratie! Danke! Die Vielfalt der Meinungen muss auch an den weniger bequemen Rändern gelebt werden.

    Der gute Martenstein hat dazu was sehr Bedenkenswertes in seiner Kolumne geschrieben, wobei ich allerdings den miesen Toralf, üblen Michael und die fiese Jasmin auch nicht mehr in der Freundesliste hätte und sie stattdessen Post von der Polizei hätten. Aber verprügeln lassen wollen würde ich sie auch nicht lassen…

    http://www.zeit.de/zeit-magazin/2015/38/harald-martenstein-repression-rassistische-kommentare-facebook

    Liebe Grüße und bitte,
    Nadine

  3. Ich glaube die Leute zu verbannen wäre das falsche Signal. Mit einigen sollte man sich auf ne Diskussion einlassen denn das ist ja Demokratie wofür wir so lange kämpften. LG und Danke Silvie :-)

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